Zwischen Kostendruck und Bedrohungslage – darum braucht die Luftsicherheit jetzt starke Partner

Neue Anforderungen, neueVerantwortung: Die Luftsicherheitsdienstleister stehen vor ihrer größten Chance. Sie können bei der Bewältigung der drängendsten Herausforderungen den Unterschied machen – wenn sie sich als strategische Partner begreifen.

Von Tobias Soppart, Vice President Aviation| Securitas Deutschland

 

Zwei Entwicklungen prägen die deutsche Luftsicherheit im Jahr 2026 wie keine anderen. Die erste ist wirtschaftlicher Natur: Der Luftverkehrsstandort Deutschland kämpft mit Standortkosten, die sich seit 2019 an vielen Flughäfen mehr als verdoppelt haben. Effizienzsteigerungen sind existenziell für die Wettbewerbsfähigkeit. Die zweite Entwicklung ist sicherheitspolitisch: Geopolitische Spannungen und hybride Bedrohungen haben die Anforderungen an den Schutz kritischer Infrastrukturen grundlegend verändert. Drohnen über Flughäfen, Sabotagerisiken, neue gesetzliche Vorgaben – die Luftverkehrswirtschaft steht unter doppeltem Druck.

Auf den ersten Blick scheinen diese Herausforderungen in unterschiedliche Richtungen zu weisen: hier Kostensenkung, dort erhöhte Sicherheitsinvestitionen. Doch dieser scheinbare Widerspruch lässt sich auflösen -wenn die beteiligten Akteure ihre Rollen neu definieren. Für Sicherheitsdienstleister bedeutet das: Die Anforderungen steigen, aber mit ihnen auch die Relevanz. Wer jetzt liefert, wird zum unverzichtbaren Partner.

Der wirtschaftliche Rahmen: Effizienz ist kein Nice-to-have mehr

Die Zahlen sind eindeutig: Die staatlichen Standortkosten für den Luftverkehr ab Deutschland sind seit2019 um bis zu 143 Prozent gestiegen. An manchen Standorten summieren sich Luftverkehrsteuer, Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren auf fast 5.000 Euro pro Flug.

Während der europäische Luftverkehr sein Vorkrisenniveau übertroffen hat, liegt Deutschland bei etwa85 Prozent. Das Entlastungspaket der Bundesregierung vom November 2025 setzt ein erstes Signal, wird die strukturellen Nachteile aber nicht vollständig ausgleichen. Für die Luftsicherheit bedeutet das: Effizienzpotenziale müssen gehoben werden, ohne Abstriche beim Schutzniveau.

Die „Neue Welt“: Ein Modell mit erweiterten Anforderungen

Die sogenannte „Neue Welt“ markiert einen Paradigmenwechsel. An den Flughäfen Frankfurt, Berlin-Brandenburg und Köln/Bonn haben die Betreibergesellschaften die Steuerungs- und Organisationsverantwortung für die Passagierkontrollen übernommen. Die Gewährleistungsverantwortung verbleibt bei der Bundespolizei. Diese Aufgabenteilung entlastet die Behörde von operativen Steuerungsaufgaben und ermöglicht ihr, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren: Fachaufsicht, Qualitätssicherung und den Schutz des Luftverkehrs.

Die bisherigen Erfahrungen in Frankfurt und Berlin zeigen, dass das Modell tragfähig ist. Die Frage

ist nicht mehr, ob es funktioniert, sondern wie es weiterentwickelt wird.

Für Sicherheitsdienstleister verändert sich damit mehr als nur der Auftraggeber. Flughafenbetreiber denken in Passagiererlebnis, Durchsatzzeiten und Kostenstrukturen. Sie erwarten nicht nur zuverlässige Ausführung, sondern aktive Mitgestaltung: Prozessoptimierung, flexible Personalsteuerung, Technologieintegration. Diese erweiterten Anforderungen werten die Rolle der Dienstleister auf. Wer Prozesse mitgestalten kann, wer Personal qualifiziert und entwickelt, wer Technologie versteht und integriert, wird zum strategischen Partner auf Augenhöhe. 
Wer das nicht leistet, wird austauschbar.

Veränderte Bedrohungslage: Neue Risiken, neue Antworten

Parallel zur wirtschaftlichen Transformation hat sich die Bedrohungslage verschärft. Die Bundespolizei registrierte 2025 Drohnenfeststellungen im dreistelligen Bereich, etwa zwei Drittel davon an großen Verkehrsflughäfen. Zuletzt haben die Vorfälle in München im Oktober 2025 die Verwundbarkeit des Systems öffentlich sichtbar gemacht: Nach Drohnensichtungen wurde der Flugbetrieb in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober zeitweiseeingestellt. 17 Abflüge mussten gestrichen werden, knapp 3.000 Passagiere waren davon betroffen.

Der Gesetzgeber hat reagiert. Das im Januar 2026 beschlossene KRITIS-Dachgesetz schafft erstmals bundeseinheitliche Vorgaben für den physischen Schutz kritischer Infrastrukturen. Die Änderungen im Luftsicherheitsgesetz erweitern die Möglichkeiten zur Drohnenabwehr erheblich. Für die Luftverkehrswirtschaft bedeutet das: Das Sicherheitsniveau muss parallel zu den Effizienzanstrengungen an die veränderte Lage angepasst werden. Das erfordert Partner, die diese Anforderungen operativ umsetzen können.

Was Sicherheitsdienstleister jetzt leisten müssen

Die beschriebenen Entwicklungen verändern das Anforderungsprofil grundlegend. Zuverlässige Auftragsausführung bleibt die Basis, reicht aber nicht mehr aus. In der „Neuen Welt“ werden Dienstleister zu operativen Partnern, die Verantwortung für Ergebnisse übernehmen. Das erfordert Investitionen in drei Bereiche.

Erstens: Personal und Ausbildung. Gefragt ist eine Kombination aus technischem Verständnis und sozialer Kompetenz. Dienstleister, die dieses Profil ausbilden und qualifiziertes Personallangfristig halten können, verschaffen sich einen entscheidenden Vorteil.

Zweitens: Technologiekompetenz. Moderne Kontrolltechnologien wie CT-Scanner werden zum Standard. Dienstleister müssen neue Systeme integrieren und Daten für eine intelligente Einsatzsteuerung nutzen können. Wer Technologie nur bedient, bleibt austauschbar.

Drittens: Flexibilität und Skalierbarkeit. Die Anforderungen schwanken saisonal und situativ.

Dienstleister müssen darauf reagieren können, ohne die Qualität zu gefährden.

Wer diese drei Dimensionen abdeckt, wird in der neuen Struktur nicht nur gebraucht, sondern gesucht. Die Rolle der Sicherheitsdienstleister wird aufgewertet – vorausgesetzt, die Branche nimmt diese Verantwortung an.

Securitas: Für die neuen Anforderungen aufgestellt

Securitas hat sich auf diese veränderten Anforderungen eingestellt. Als einziger Dienstleister sind wir an allen drei Standorten tätig, die das neue Organisationsmodell umgesetzt haben: Frankfurt, Berlin-Brandenburg und Köln/Bonn. Mit über 4.700 Mitarbeitenden im Bereich Luftsicherheit, vertreten an zehn Verkehrsflughäfen und einem Werkflughafen, verfügen wir über die Kapazitäten, die komplexe Aufträge erfordern.

Entscheidend ist aber nicht allein die Größe. Securitas investiert seit Jahren in Ausbildungsstrukturen, die über das gesetzlich Geforderte hinausgehen. Wir haben die technologischen Umstellungen an den Kontrollstellen von Anfang an begleitet. Und wir verstehen uns als Partner, der operative Verantwortung übernimmt. Die Erfahrungen an den Pilotstandorten liefern wertvolle Erkenntnisse, auch für Flughäfen, die bislang andere Wege gehen. Wer als Dienstleister jetzt Kompetenz aufbaut, ist auch für die nächste Phase vorbereitet.

Effizienz und Sicherheit: Kein Widerspruch

Die Luftsicherheit in Deutschland steht vor anspruchsvollen Jahren. Kostendruck und erhöhte Bedrohungslage wirken gleichzeitig. Das ist keine einfache Konstellation, aber auch kein Widerspruch, der sich nicht auflösen ließe. Die Voraussetzung: Alle Beteiligten müssen ihre Stärken einbringen. Die Bundespolizei als Garant des Sicherheitsniveaus und als Fachaufsicht. Die Flughafenbetreiber als Treiber von Prozessinnovationen. Und die Sicherheitsdienstleister als operative Partner, die Personal, Technologiekompetenz und Flexibilität bereitstellen.


Für die Sicherheitswirtschaft ist das eine Chance, die es so noch nicht gegeben hat. Sie kommt mit Verantwortung. Wer sie annimmt, gestaltet die Luftsicherheit der Zukunft mit. Securitas ist dafür aufgestellt.

 

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